Löwenfans gegen Rechts
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Initiative von Löwenfans, die sich gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus im Stadion richtet,
siehe auch
Löwenfans gegen Rechts
Die Löwenfans gegen Rechts (LFGR) treffen sich regelmäßig einmal im Monat zum Stammtisch.
Der Stammtisch ist immer am 1. Dienstag jeden Monats im Fanheim (Im Viereck innerhalb Herzogstand- und Raintaler, Kesselberg- und Deisenhofener Straße im Park, U2 Silberhornstraße) http://www.stadtplandienst.de/spd20/Map.aspx?sid=C0F406B742884E9310C4A87DB211E70E.
Es ist ein offener Stammtisch - jede/r, der möchte, kann kommen und zuhören, mitmachen.
Es ist gar nicht so einfach zu beschreiben wer die LFGR sind. Zuerst einmal sind sie Löwenfans gegen rechts. Das bedeutet nicht mehr, als dass sie Löwenfans sind und dass sie gegen rechts sind. Aber das ist beides erstmal nichts Besonderes sondern für sie eine alternativlose Selbstverständlichkeit, zumindest hier in München. Denn wenn man Fußball mag, was könnte man in München dann anderes sein als Löwenfan? Und gegen rechts, gegen Rassismus, gegen Ausländerfeindlichkeit, gegen Diskriminierung und Ausgrenzung zu sein, auch dazu gibt es keine Alternative. Das ist übrigens keine Frage einer politischen Einstellung, sondern bedeutet nur, dass man die im Grundgesetz genannte Würde des Menschen, man das „Was du nicht willst, dass man dir tut . . .“, oder den kategorischen Imperativ von Kant, oder einfach nur gegenseitigen Respekt und Fairness unter Menschen als allgemeingültige Grundlage des Zusammenlebens verstanden hat. Darüber hinaus sind sie aber auch „die“ Löwenfans gegen rechts. Will heißen, dass sie Menschen sind, auf die oben Genanntes zutrifft und die sich zu einer Initiative, Gruppe oder was auch immer – die SZ nannte sie erst vor kurzem eine Organisation – mit eben diesem „Namen“ zusammengeschlossen haben. Sie tun dies, weil sie Löwenfans und gegen rechts sind. Als Löwenfans liegt ihnen der TSV 1860 sehr am Herzen und deshalb haben sie etwas dagegen, wenn diese Herzensangelegenheit durch die Missachtung der oben genannten Selbstverständlichkeiten getrübt wird. Der TSV ist ihnen einfach zu schade, als dass er als Bühne für Affenlaute im Stadion, das U-Bahnlied, oder gar als Darstellungsfläche für Rassisten und Neonazis missbraucht werden dürfte. Dagegen wenden sie sich ganz energisch. Sie tun das auf verschiedenste Art und Weise. Basis ist der aktive Einsatz im Stadion. Jeder kennt die Situation, wo einem Uhuhuh-Rufer mit einem „Halts Maul“ geantwortet wird. Eine Reaktion, auf die die LFGR übrigens keinesfalls ein Urheberrecht beanspruchen, sondern zu der sie alle im Stadion herzlich auffordern wollen. Darüber hinaus verstehen sie sich als aktive Fans, die sich engagieren und versuchen auf den Verein und sein Umfeld Einfluss zu nehmen. So gehen sie z.B. seit langem den Verantwortlichen bei 60 mit Forderungen nach Antidiskriminierungs- und Antirassismusparagrafen in der Vereinssatzung auf die Nerven und das nun endlich sogar erfolgreich, wie ein Blick in den im vergangenen Sommer erarbeiteten neuen Satzungsentwurf des TSV zeigt.
Als „die“ Löwenfans gegen rechts sind sie als Gruppe ein fester Bestandteil der Fanszene der TSV 1860. Als „die“ Löwenfans gegen rechts haben sie sich auch klar im zurückliegenden „Wahlkampf“ bei 1860 positioniert. Sie waren in der Ära Wildmoser Teil der Opposition. Nicht nur weil ihre ureigensten Themen hier wenig Anklang fanden, sondern auch weil sie als Fans und als Gruppe von Fans es für wichtig gehalten haben, hier klar Stellung zu beziehen, z.B. in der Stadiondebatte oder hinsichtlich der Vereinsführung nach Gutsherrenart, in der statt demokratischer Spielregeln die Grundsätze der Erbmonarchie galten. Als „die“ Löwenfans gegen rechts unterstützen sie die von PRO1860 angestrebten Veränderungen im Verein und begrüßen ausdrücklich das 2007 neu gewählte Präsidium.
Am Anfang war ein Transparent
Angefangen hat alles mit einem Transparent, das ein paar Fans ins Olympiastadion mitgenommen haben, da ihnen die ständigen Versuche reichsnationaler Brülltrupps, die Akustik der Fankurve zu dominieren, zu blöd wurden. Auf dem Transparent stand »LÖWENFANS GEGEN RECHTS«. Die Leute mit dem Transparent wurden von anderen angesprochen: »wir sind auch Löwenfans, und wir sind auch gegen Rechts«. Daraus wurde irgendwann ein Stammtisch. Dort werden die Aktivitäten besprochen und vorbereitet. Wer kommt, macht mit, und wer etwas zusagt, hält sein Versprechen ein. Es gibt keine Mitgliedschaft, kein Aufnahmeverfahren. Die LFGR sind kein Verein, auch kein Ableger des offiziellen TSV, sind diesem somit nicht weisungsgebunden und huldigen ihm auch nicht, sondern verstehen sich als kritische Stimme. Irgendwann wird niemand mehr zu ihrem Stammtisch kommen, dann gibt es sie nicht mehr. Aber vorher haben sie noch viel, viel zu sagen und werden das auch tun! Der Verein war in dieser Hinsicht lange Zeit nicht gerade ein Ruhmesblatt. Zwar gab es vereinzelte Aktionen, die der TSV mitgetragen hat, z.B. im Olympiastadion ein Transparent »FUSSBALLSPASS STATT RASSENHASS« über dem Marathon-Tor, doch ansonsten war die Unterstützung recht dürftig. Zusagen wurden nur ausnahmsweise eingehalten. Hier tut sich inzwischen einiges. Die Zusammenarbeit mit dem Verein hat sich eindeutig verbessert. Das gilt für sowohl für Aktionen wie etwa im Rahmen der FARE-Aktionswoche als auch grundlegend. So sind alle ihre Forderungen hinsichtlich der Aufnahme von Antidiskriminierungs- und Antirassismusparagrafen in dem inzwischen vorliegenden Entwurf für eine neue Satzung des TSV 1860 enthalten. Das kommt einem Quantensprung gleich. Wenn ihnen noch vor zwei, drei Jahren jemand gesagt hätte, dass die Vereinsführung sie bei dem Kampf gegen rechtsextreme Umtriebe ihre volle Unterstützung zusagt, sie hätten ihm gute Besserung gewünscht. Einige strittige Punkte mit dem Verein bleiben aber nach wie vor. So ist der TSV z.B. nicht besonders interessiert an der Betrachtung seiner Vergangenheit, insbesondere dem politischen Wirken des TSV 1860 in der Nazi-Zeit: Der TSV war einer der ersten Vereine, der politisch missliebige Mitglieder sowie aktive Sportler ausschloss – ohne sich in der Zeit danach jemals dafür zu entschuldigen. Das gehört sich nicht, das ist nicht fair, das ist nicht sportlich. Da muss der TSV noch dazu lernen, denn an Vergangenheitsbewältigung hat dieser Verein noch einiges zu leisten. Und da die LFGR davon überzeugt sind, dass man Vergangenheit nicht verdrängen darf, wenn man was daraus lernen will, sind sie der Auffassung, dass sich der TSV auch mit seiner jüngeren Vergangenheit auseinandersetzen muss. Die Spaltung der Fanszene bei 1860, von der so oft die Rede ist, wird sich nämlich nicht überwinden lassen, indem man einfach alles ignoriert, was zu ihr geführt hat.
Politik im Stadion?
Immer wieder hören die LFGR, dass Politik im Stadion nichts verloren hat und sie sollten die Politik doch draußen lassen. Das ist ein sehr guter Vorschlag, denn darum geht es ihnen auch. Sie wollen nämlich Fußball im Stadion haben – und keine Politik – »Politik« im Sinne politischer Propaganda, die beliebige Leute aus der Gemeinschaft der Fans ausgrenzt. So einfach ist das. Es gibt unter den Mitgliedern und Fans von 60 eher weniger Anhänger dieser politischen Couleur als in einem durchschnittlichen Kleingartenverein oder gar in einschlägigen Problem-Kickerclubs. Ganz klar. Aber einer ist hier halt einfach einer zuviel. Und das ist einer der Gründe, warum die LFGR keine Lust haben, diesen Scheiß in der Kurve zuzulassen. Sie wollen keine schweigend duldenden Mitläufer sein. Alle, die keine Politik im Stadion wollen, sind bei den LFGR herzlich eingeladen. Sie verstehen sich nämlich als Reaktion darauf, dass andere ihre kranken Vorstellungen von Politik ins Stadion tragen. Sie wären ja froh, wenn es sie nicht geben müsste. Aber solange es rassistisches Gegröle und rechtsextreme Symbolik in der Kurve gibt, werden sie es sich nicht nehmen lassen, dem etwas entgegen zusetzen. Denn ganz ehrlich, was um alles in der Welt hat ein schwarz-weiß-roter Schal in der Löwenkurve verloren. Die Farben der Löwen sind weiß und blau und fertig.
Fußball ist für ALLE da
Auch für die Fans gelten ein paar Regeln. Bier nicht dem Nachbarn über die Kutte schütten, sondern brav trinken, nur den Gegner beschimpfen, nicht die eigenen Leute, und so weiter. Und fair bleiben. Genau so, wie der Herr Doktor und der Hartzist zusammen in der Kurve stehen, dürfen das auch Gelegenheitsfans, Frauen, Katholiken, Juden, Puff-Stammkunden, Homosexuelle, Giesinger, Westfalen, Hanseaten, Türken, Chinesen, Afrikaner – ja, sogar Westendler, Hasenbergler, Neuperlacher und Taxifahrer. Ein Löwenfan ist ein Löwenfan, und man steht zusammen in der Kurve für die Mannschaft und die Gemeinschaft, auch wenn man sich persönlich vielleicht nicht besonders mag. Ausgegrenzt wird nicht, basta. Das ist, was die LFGR als »alte Traditionalisten« bewahren wollen. Fußball ist für alle da – niemand hat das Recht, nach Laune anderen Fans den Stadionbesuch zu vergällen oder gar zu verbieten. Am Spieltag sind alle Löwen, den Rest kann man die restliche Woche lang betreiben. So schaut's aus.
Warum »gegen Rechts«?
Die LFGR sind gegen Fremdenfeindlichkeit, eigentlich überhaupt gegen Feindlichkeit, sie sind für Fairness und Toleranz. Sie sind gegen Sexismus und für die Liebe. Sie sind gegen Kommerz und für niedrige Bierpreise. Sie sind gegen die Roten und für die Blauen. Es gäbe viele Möglichkeiten, ihre Initiative zu benennen. In erster Linie sind sie Löwenfans, und deshalb steht dieses Wort am Anfang ihres Namens. Die Initiative ist entstanden, als Nazis im Olympiastadion versucht haben, die Brüll-Mehrheit zu erringen. Insofern könnten sie sich »Löwenfans gegen Nazis« nennen. Da die Zielgruppe sich allerdings öffentlich von ihren Idolen distanziert und sich lediglich als »rechts« bezeichnet, nennen sie sich eben »Löwenfans gegen Rechts«, damit die Zielgruppe auch kapiert, dass sie gemeint ist. Die Namensähnlichkeit mit anderen Initiativen »gegen Rechts« ist durchaus gewollt, insbesondere die mit einer Vorgänger-Initiative gleichen Namens, die zu Grünwalder Stadion-Zeiten aktiv war.
Die LFGR freuen sich über jeden, der ihre Aktionen oder ihren Stammtisch besucht. Bei ihnen wird organisiert und gearbeitet, aber auch gründlich gefeiert. Das gehört dazu, sie sind schließlich Löwen. Wenn LFGR eine langweilige, fade Veranstaltung wäre, gäbe es sie nämlich schon lange nicht mehr …
